
(Klaus Heidegger, Bild: TT)
TT: Sie leben seit 20 Jahren in den USA, wie ist es nach Tirol zurückzukehren?
Heidegger: Ich komme immer sehr gerne her. Die Landschaft ist so schön. Ich möchte gerne wieder in Tirol etwas kaufen und zwei Monate im Jahr hier verbringen.
TT: Was stört Sie an Tirol?
Heidegger: Die Engstirnigkeit der Tiroler. Sie müssen viel offener werden und sollten mehr Erfahrung im Ausland sammeln. Damit sie sehen, was sie an ihrem Land haben. Die meisten Tiroler wissen das Land ja gar nicht zu schätzen.
TT: Heißt das, den Tirolern fehlt der Patriotismus?
Heidegger: Auf jeden Fall. Sie schämen sich fast für ihr Land. Dabei wollen die Touristen das Typische, das Traditionelle sehen. Sie wollen nicht in irgendein Design-Hotel, das überall auf der Welt stehen könnte. Deshalb ist auch der Stanglwirt so beliebt.
TT: Wie bekannt ist Tirol in den USA?
Heidegger: Viele Amerikaner kennen Innsbruck noch von den Olympischen Spielen. Aber heute ist Tirol in Amerika überhaupt nicht mehr präsent. Ich sehe nie ein Werbeplakat oder ein Prospekt. Dabei gibt es sehr viele Amerikaner, die das Geld und auch das Interesse hätten, um nach Europa zu reisen. Aber Tirol ist einfach nicht sichtbar.
TT: Wie könnte man das ändern?
Heidegger: Ich habe da schon ein paar Ideen, die ich auch mit dem Landeshauptmann besprechen möchte. Der Tiroler Adler etwa, er ist so ein stolzes Tier. Man müsste ihn viel mehr einsetzen.
TT: Würden Sie wieder in die USA auswandern? Heidegger: Es war die beste Entscheidung, Axams hinter mir zu lassen, auch wenn die erste Zeit in New York sehr schwer war. Ich kannte niemanden, also habe ich mich voll in die Arbeit gestürzt.
TT: Sie arbeiteten in der auf Naturkosmetik spezialisierten Apotheke ihres Schwiegervaters, mussten Sie trotzdem ganz unten anfangen?
Heidegger: Ja, ich habe in Cremetigeln gerührt und sogar Lippenstift an mir selbst getestet. Manchmal war es natürlich schon sehr niederschmetternd, ganz unten anzufangen, aber es war auch sehr wichtig für mich. Schließlich musste ich erst lernen, mit den anderen Mitarbeitern ein Team zu bilden. Als Skifahrer ist man ja ein Einzelkämpfer.
TT: Sie schufen aus der Apotheke das Kosmetik-Imperium Kiehl's mit über 360 Mitarbeitern. Was war Ihr Erfolgsrezept?
Heidegger: Mir war immer der Inhalt unserer Produkte wichtiger als die Verpackung. Wir brauchten keine goldenen Schachteln. Außerdem haben wir unseren Kunden immer zugehört und sind auf ihre Wünsche eingegangen. So wollte zum Beispiel jemand eine Sonnencreme mit außergewöhnlich hohem Schutzfaktor, weil er auf den Mount Everest steigen wollte. Also stellten wir eine spezielle Creme mit Sonnen- und Kälteschutz her. Übrigens war der Kunde der Sohn des Mount-Everest-Erstbesteigers Edmund Hillary.
TT: Sie verkauften Kiehl's um 100 Mio. Dollar. Heute sind Sie mit der Schuhmarke MBT äußerst erfolgreich. Wie geht es weiter?
Heidegger: Wir verkaufen schon 1,8 Mio. Paar Schuhe in 25 Ländern. Bei meinem Einstieg bei MBT vor zwei Jahren waren es noch 400.000 Paar Schuhe in zehn Ländern. Jetzt wollen wir langsam und sehr kontrolliert wachsen.
TT: Zukünftige Projekte?
Heidegger: Derzeit habe ich keine konkreten Pläne. Mit MBT kann ich mir vorstellen, alt zu werden. Es ist eigentlich mehr wie ein Hobby. Ich muss ja nicht mehr arbeiten, um meine Existenz zu sichern. Außerdem will ich mich stärker sozial engagieren und so der Gesellschaft etwas zurückgeben.
TT: Sich auf die faule Haut zu legen, kommt für Sie gar nicht in Frage?
Heidegger: Ich kann mir durchaus vorstellen in Zukunft mehr Zeit in Tirol zu verbringen. Aber nichts tun, ist mir zu fad.
Das Gespräch führte Maria Reisigl
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